⚡️ iPaas oder ESB? ⚡️
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iPaaS vs. ESB: Welche Integrations-Lösung ist die beste für Ihr Unternehmen?

| | Chief Cloud Officer, SEEBURGER AG
iPaaS vs. ESB: Welche Lösung ist die beste für Ihr Unternehmen?

Bis vor etwa 10 Jahren machte die Integration von On-Premises-Systemen in den meisten Unternehmen den Löwenanteil der Integrationsarbeit aus. Zur Lösung dieser Aufgabe haben sich mehrere Integrationsansätze herausgebildet. ESB (Enterprise Service Bus ) gehörte zu den bekanntesten. Doch in den letzten Jahren gewinnt die Cloud-Integration immer stärker an Bedeutung. iPaaS (Integration Platform as a Service) – ein neuer, moderner Integrationsansatz – wird dadurch immer populärer. Dafür gibt es Gründe.

ESB: ein Integrationsansatz aus den 1990er Jahren

ESB steht, wie erwähnt, für „Enterprise Service Bus“, und die lateinische Übersetzung des letzten Wortes bringt es auf den Punkt. (Omni)Bus bedeutet schlicht: „für alle“. Dementsprechend steht ESB grundsätzlich für eine Netzwerkarchitektur, in der die Unternehmensanwendungen nicht direkt miteinander verbunden sind, sondern alle Interaktionen über einen zentralen Bus erfolgen. Ein ESB kann sowohl aus technischen als auch aus nicht-technischen Komponenten (z. B. Integrationsregeln und -prinzipien) bestehen. Das Ziel des ESB ist es, eine Architektur bereitzustellen, mit der alle Unternehmensanwendungen auf übersichtliche Art und Weise miteinander integrieren können. In diesem Zusammenhang werden auch die Begriffe Batch-Processing und Massendaten verwendet.

Der Enterprise Service Bus wurde seinerzeit als Antwort auf die Herausforderungen einer wachsenden Anzahl von Punkt-zu-Punkt verbundenen Anwendungen konzipiert. Bei der Punkt-zu-Punkt-Integration musste jede Anwendung einzeln und mit großem Aufwand mit der anderen Anwendung verbunden werden. Dies führte in den Unternehmen oft zu einer so genannten Spaghetti-Architektur, die wenig skalierbar und fehleranfällig war.

Der ESB spielt eine koordinierende Rolle bei der Konsolidierung und Bereitstellung von Daten innerhalb eines Unternehmens. Darüber hinaus ist der ESB ein wichtiger Bestandteil der serviceorientierten Architektur (SOA), die in den 1990er Jahren in der Unternehmenswelt populär wurde, sich aber für Web- und Cloud-Anwendungen schlecht eignet.

ESB (Enterprise Service Bus)
Abbildung 1: ESB (Enterprise Service Bus)

iPaaS: ein Integrationsansatz für das Cloudzeitalter

iPaaS (Integration Platform as a Service) hingegen ist die Antwort auf die Herausforderungen des Cloud-Computings. iPaaS hat einen deutlich erweiterten Scope, der weit über die klassischen asynchronen Integrationsprozesse innerhalb eines Unternehmens hinausgeht, auf die sich ESB konzentriert. Der primäre Scope von iPaaS ist die synchrone Integration und Skalierbarkeit zwischen Anwendungen und Prozessen – sowohl innerhalb als auch außerhalb des Unternehmens. IPaaS ergänzt die traditionelle asynchrone Integration um die synchrone Integration in Echtzeit und vermittelt gar zwischen diesen beiden Welten.

Konkret ermöglicht iPaaS die konsistente, klare und nahtlose Verbindung von Cloud-Anwendungen mit anderen Cloud- Anwendungen aber auch mit On-Premises- oder Legacy-Anwendungen. Der iPaaS-Ansatz ist Bestandteil der neuen weborientierten Architektur (WOA), die im Cloudzeitalter die alte serviceorientierte Architektur (SOA) ablöst.

Hauptfunktionen iPaaS
Abbildung 2: Hauptfunktionen iPaaS

iPaaS oder ESB: Womit iPaaS im Cloudzeitalter punkten kann

6 Gründe, die für iPaaS sprechen:

Erstens ermöglicht iPaaS die Nutzung zeitgemäßer Web-APIs (Application Programming Interfaces) wie REST oder JSON, die speziell für den modernen, cloudbasierten Datenaustausch zwischen Cloud-Anwendungen konzipiert sind. Die Stärken von ESB liegen dagegen auf der Verwendung von asynchronen Protokollen und dateibasierten Formaten (z. B. XML), die für den Datenaustausch mit Cloud-Anwendungen weniger geeignet sind. Aber auch für die herkömmlichen Protokolle und Formate bietet iPaaS eine Lösung, indem es alte Datenformate in moderne und cloudfähige umwandelt.

Zweitens ermöglicht iPaaS eine Datenübertragung in Echtzeit oder Echtzeitnähe. Daten, die schnell aktualisiert werden können, sind für eine wachsende Anzahl von Unternehmen entscheidend für den Geschäftserfolg. Beispielsweise dann, wenn ein Unternehmen einen Online-Shop betreibt. ESB hingegen unterstützt eine zeitnahe Datenübertragung aus Cloud-Anwendungen und -Systemen in der Regel nicht oder nur stark eingeschränkt.

Drittens kann iPaaS genutzt werden, um Bestandssysteme im Unternehmen länger im Einsatz zu halten. Das kann eine wirtschaftlich interessante Möglichkeit für Ihr Business Continuity Management sein, gerade heute, wo die Anwendungswelt zunehmend von der Cloud dominiert wird und Legacy-Systeme schnell zu Altlasten werden. Mit iPaaS können die Bestandssysteme hinter einer Fassade von APIs gekapselt und vor der Außenwelt versteckt werden. Die Legacy-System-Integration über APIs ermöglicht also, dass die Daten dieser Bestandssysteme der Außenwelt zugänglich gemacht werden und beispielsweise mobilen Anwendungen zur Verfügung gestellt werden.

Viertens ist iPaaS mandantenfähig und skalierbar. Es ist also nicht erforderlich, für jeden Kunden / für jede Organisationseinheit eine neue physische Umgebung aufzubauen. Das bedeutet, dass die personellen und technischen Ressourcen, die für den Aufbau und die Aufrechterhaltung einer physischen Umgebung für mehrere Organisationseinheiten erforderlich werden, nicht wesentlich höher sind als für eine Organisationseinheit. Einmal eingeführt, kann die iPaaS-Lösung von den unterschiedlichen Organisationseinheiten (Fachbereichen, weltweiten Niederlassungen bzw. Tochterunternehmen und unter Umständen sogar Partnern) im Unternehmen genutzt werden. Mit einem gut implementierten ESB ist hingegen bestenfalls eine eingeschränkte Mandantenfähigkeit innerhalb eines Unternehmens (Anmerkung: d. h. zwischen den Fachbereichen) realisierbar.

Fünftens eignet sich iPaaS viel besser für eine moderne Softwarebeschaffungsstrategie, bei der Geschwindigkeit und Einfachheit der Integration eine große Rolle spielen. Der Business-Bereich kann so eine führende Rolle bei der Softwareauswahl einnehmen und einfachere Integrationsvorhaben sogar selbstständig durch sogenannte Citizen Integrators in den Fachabteilungen vornehmen. Im Falle von ESB sind dagegen neben fachlich geschultem Personal meist auch längere Abstimmungswege zwischen Business und IT erforderlich.

Außerdem: Fehlen für spezifische Aufgaben die entsprechenden internen Ressourcen, kann bei iPaaS oft unbürokratisch qualifizierte Hilfe durch den Anbieter bereitgestellt werden. ESB-Ansätze hingegen erfordern zwingend Fachkräfte mit spezifischen Kenntnissen im eigenen Haus. Die Beschaffung der erforderlichen Fachkompetenz kann ein langwieriger und kostspieliger Prozess sein und sogar zum Scheitern eines Integrationsvorhabens führen.

Sechstens fördert iPaaS die Zusammenarbeit zwischen Business und IT im Sinne einer zeitgemäßen Cloud-Integration. Die hauseigene IT wird so ermutigt, mit modernen Integrationsansätzen zu arbeiten. Das Business erfährt zudem mehr Autonomie und Verantwortung bei der Auswahl von Software, die das Geschäft bestmöglich unterstützt. Es wird von Anfang an in den Software-Auswahlprozess involviert und erwirbt entsprechendes Know-how. Fernerhin lernen Business und IT aufeinander zuzugehen und gewinnen so Einblicke in die Bedürfnisse, Arbeitsweisen und Grenzen des jeweils anderen. Das ist für eine agile Organisation entscheidend.

Was ESB dem entgegensetzen kann …

Ein Grund, der auch heute noch für den Einsatz von Enterprise Service Bus spricht, sind gesetzliche oder andere Anforderungen, die verlangen, dass Daten aus Sicherheits- oder anderen Gründen im Unternehmen verbleiben müssen. ESB kann bei diesen Aufgaben eine Lösung bieten – wenn auch mit den bereits erwähnten Einschränkungen.

Hinzu kommt: Durch die starke Fokussierung auf Cloud- und SaaS-Integration haben viele iPaaS-Anbieter eine grundsätzliche Schwäche bei der Integration von individualisierten On-Premises- oder Legacy-Systemen untereinander. Diese lassen sich oft besser über ESB verbinden. Doch spätestens wenn es darum geht, diese On-Premises- oder Legacy-Systeme an die Cloud anzubinden – eine Anforderung der meisten Geschäftsmodelle heute – spielt iPaaS wieder eine wichtige Rolle.

Schlussfolgerungen

  • Wenn also die primäre Integrationsaufgabe Ihres Unternehmens in der Integration von cloudbasierte Anwendungen besteht und nur wenige oder keine komplexen On-Premises- oder Legacy-Lösungen angebunden werden müssen, dann ist iPaaS in der Regel die richtige Wahl.
  • Sieht Ihr Unternehmen hingegen seine primäre Integrationsaufgabe in der Integration von On-Premises- und Legacy-Systemen, dann könnte ESB oder ein vergleichbarer Ansatz die richtige Wahl sein.
  • Allerdings kommt heute fast kein Unternehmen mehr ohne Cloud-Integration aus: Mobiles Arbeiten, schnelle und zuverlässige Anbindung internationaler Partner sowie 24/7 Verfügbarkeit der eigenen Leistungen sind heute wichtiger denn je. Daher sollten Sie in solchen Fällen in Betracht ziehen, ESB und iPaaS parallel zu betreiben. Oder Sie suchen sich einen iPaaS-Anbieter, der über die entsprechende Expertise bei der Integration von On-Premises- oder Legacy-Systemen verfügt. Oft sind das jedoch nicht die ganz großen Anbieter im iPaaS-Markt, sondern Anbieter, die eher mittelständisch ausgerichtet sind.

iPaaS & Legacy-Integration: Stärke der mittelgroßen iPaaS-Anbieter

Im Allgemeinen ziehen es die großen iPaaS-Anbieter vor, über ihren großen Kundenstamm und ihre umfangreichen Ressourcen mit weitgehend standardisierten Services und Prozessen zu skalieren. Das bedeutet oft, dass die hochvolumige Integration gängiger Cloud-Anwendungen den Schwerpunkt ihrer Expertise bildet. Individuellere Integrationsprojekte, die die Cloud-Anbindung von aufwendigen On-Premises- oder Legacy-Systemen erfordern, sind für sie wirtschaftlich weniger interessant.

Die mittelgroßen iPaaS-Anbieter hingegen besetzen Nischen und Segmente, die einen Wettbewerbsvorteil gegenüber der großen Konkurrenz bieten und die für die großen iPaaS-Anbieter wirtschaftlich wenig interessant sind. Einige iPaaS-Anbieter setzen auf die Kombination von hoher Expertise sowohl bei der Cloud-Integration als auch bei der Integration von On-Premises- oder Legacy-Systemen.

Der Vorteil für Sie als Kunde: Diese mittelgroßen iPaaS-Anbieter verbinden für Sie beiden Welten. Sie können damit in vielen Fällen an die Leistungsfähigkeit von ESB-Systemen heranreichen bzw. ESB-basierte Integrationen innerhalb eines Unternehmens nahtlos an eine Cloudumgebung anbinden. Dadurch werden Legacy-Systeme skalierbar und können eine aktive Rolle in der modernen Cloud-Strategie Ihres Unternehmens spielen: Zum Beispiel, indem sie Daten für neue Geschäftsmodelle liefern.

SEEBURGER ist ein solcher mittelgroßer iPaaS-Anbieter mit ausgewiesener Expertise in der Integration von On-Premises- und Legacy-Systemen. Seine besondere Stärke ist die tiefe API-Integration. Alle Services sind als Teil der Business Integration Suite (BIS), der technologischen Plattform für das SEEBURGER iPaaS-Angebot, verfügbar und bestmöglich aufeinander abgestimmt. Daher müssen Sie sich nur einmal in die Nutzung der Plattform einarbeiten. Das spart Zeit und Aufwand im Vergleich dazu, wenn die Lösungen für iPaaS, API-Management und API-Integration jeweils von verschiedenen Anbietern stammen.

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Dr. Martin Kuntz

Ein Beitrag von:

Dr. Martin Kuntz arbeitet seit 2000 für die SEEBURGER AG, seit 2015 ist er Mitglied des Vorstands. Seine Schwerpunkte liegen in den Bereichen Cloud, Business Applikationen und der Digitalisierung fachlicher und technischer Geschäftsprozesse. Er verfügt über Abschlüsse in Physik und BWL. Zuvor arbeitete er mehrere Jahre im Bereich Simulation für das „Karlsruher Institut für Technologie“ und für Airbus-Tochter „Airbus Defence and Space“.