E-Invoicing, E-Reporting und CTCs in Frankreich – die Fakten
E-Invoicing

Update: Frankreich CTC, B2B E-Invoicing und E-Reporting Mandat 2023

| | Produktmanager Softwareanwendungen/Dienstleistungen elektronischer Geschäftsdatenaustausch, SEEBURGER AG
Die Rechnungsstellung und Steuerberichterstattung in Frankreich wird digital

Im September 2019 hat Frankreich angekündigt, das aktuelle B2G-Mandat für elektronische Rechnungen bis Anfang 2025 vollständig auf elektronische B2B-Rechnungen auszuweiten. Ziel ist es, Steuerbetrug zu bekämpfen und so die Mehrwertsteuerlücke zu verringern. Frankreich ist die zweitgrößte Volkswirtschaft in Europa mit einem beträchtlichen jährlichen Rechnungsvolumen. Die Auswirkungen des kommenden Mandats werden Tausende von Unternehmen betreffen.

L’Agence pour l’Informatique Financière de l’Etat (AIFE, Staatliche Finanzinformationsagentur) hat sich intensiv mit verschiedenen internationalen CTC-Modellen und den Erfahrungen der Länder auseinandergesetzt, bevor es sich für einen eigenen Ansatz entschieden hat. Gemäß Artikel 153 des Finanzgesetzes „Loi de Finance 2020“ beabsichtigt Frankreich, einen Mechanismus zur Meldung von Steuer- und Rechnungsdaten in Echtzeit an die Steuerbehörden, die „Direction générale des Finances publiques“ (DGFiP – Ministerium für Wirtschaft und Finanzen), zu implementieren.

SEEBURGER beteiligt sich derzeit über seine französische Tochtergesellschaft aktiv an den GT 153 Workshops der AIFE. Wir beraten zu den folgenden Themen:

  • Netzwerk / Architektur / B2B-Adressierung
  • E-Reporting an Steuerbehörden
  • E-Invoicing Anwendungsfälle
  • Lebenszyklus / Status von Rechnungen

Nun wird das bevorstehende Mandat für Continuous Transaction Controls (CTCs), das sowohl E-Invoicing als auch E-Reporting von B2B und B2C E-Invoices und Zahlungsstatus umfasst, klarer. Auch wenn noch wichtige Aspekte undefiniert sind.

Was wissen wir bislang?

Klar scheint zu sein, dass Frankreich ein CTC-Modell gewählt hat, das oft mit dem mexikanischen Clearance-System verglichen wird. Dieses CTC-System unterscheidet sich von der CTC-Plattform „SdI“ in Italien. Anstatt Rechnungen zentral über eine nationale Plattform wie die SdI zu verteilen, wird Frankreich eine Kombination aus einer aktualisierten Version der nächsten Generation seiner nationalen Chorus Pro Plattform verwenden, kombiniert mit zertifizierten privaten Plattformen ähnlich den „Proveed Autorizado de Certificación“ (PAC)-Anbietern in Mexiko.

Damit stehen Rechnungsausstellern und -empfängern zwei Wege zur Verfügung, um die Gesetzgebung einzuhalten. Sie können sich entweder direkt mit der nationalen Plattform verbinden, oder indirekt über einen Dienstleister. Damit ist es ein flexibleres System als zentralisierte Modelle, bei denen das nationale Clearingsystem eine Rechnung an den Empfänger weiterleitet und nur ein Format akzeptiert.

Chorus Pro ‘next generation’, die nationale Plattform, hat folgende Aufgaben:

  • Erfassen von E-Rechnungen oder Auszügen von Rechnungsdaten für Betriebsprüfungen (Tax Administration Controls)
  • Führen und Bereitstellen eines nationalen Registers von Handelspartnern aus dem privaten und öffentlichen Sektor
  • bei Bedarf Versenden von Rechnungen an Anbieter oder Endempfänger
  • Erfassen elektronischer Berichte von als Rechnungsaussteller oder Rechnungsempfänger zertifizierten privaten Plattformen oder Endpunkten
  • Bereitstellung von Basisdiensten rund um die elektronische Rechnungsstellung, z. B. Webportal, Konvertierung von PDF- in Hybridrechnungen, Überwachung des Rechnungsstatus

Certified Private Platforms haben folgende Aufgaben:

  • Extrahieren der relevanten Rechnungsdaten aus elektronischen Rechnungen, wie von der Steuerverwaltung vorgeschrieben
  • Durchführung der Steuerprüfung wie die nationale Plattform
  • Übermittlung von Rechnungsdaten an die nationale Plattform nur in zulässigen Formaten
  • Versenden von Rechnungen an andere Certified Private Platforms nur nach erfolgreicher Durchführung aller Prüfungen und Validierungen. Diese Bedingung ist extrem wichtig, um Abstimmungsprobleme zwischen ausgestellten und gemeldeten Rechnungen zu vermeiden.
Frankreich B2B E-Invoice Clearance
Abbildung 1: Frankreich B2B E-Invoice Clearance. Planungsstatus, der sich jederzeit beispielsweise im Umfang z.B. B2B / B2C, Gültigkeitszeitraum, Verpflichtung für registrierte und niedergelassene oder nur registrierte Unternehmen usw. ändern kann und die Zustimmung der EU Kommission zur Abweichung von der EU Umsatzsteuerrichtlinie benötigt.

Was bedeutet dies für Sie?

Für französische Unternehmen beinhaltet das CTC-Mandat folgende Verpflichtungen:

  • das Versenden eines Satzes an Rechnungsdaten – oder die Rechnung selbst – an die nationale Plattform Chorus Pro “next generation” zur Freigabeverarbeitung durch die Steuerverwaltung
  • das Versenden zusätzlicher Steuermeldungen in einem definierten elektronischen Format und in Echtzeit für beliebige Business-to-Consumer-Rechnungen, grenzüberschreitende Rechnungen, Überweisungsavise oder weitere Informationen zum Zahlungsstatus
  • den Empfang elektronischer Rechnungen in den definierten elektronischen Formaten

Bei den Diskussionen über das CTC-Modell und dessen Einführung wurde viel Wert auf die Bedürfnisse der Unternehmen gelegt, die es letztendlich nutzen werden. Es musste sichergestellt werden, dass die Unternehmen die Technologie und die Dienste, in die sie bereits investiert haben, weiterhin nutzen können. Außerdem war es wichtig, dass die Geschwindigkeit der Einführung zu den Unternehmen passte und auch ihrer Kultur und ihren Bedürfnissen entsprach.

Sie können die aktuellen Rechnungsformate, bestehende Integrationen mit Geschäftspartnern und bestehende Archivierungslösungen weiter nutzen, wenn:

  • die von den französischen Steuerbehörden geforderten Informationen zuverlässig extrahiert und in einem vorgegebenen Format elektronisch gemeldet werden können,
  • an den Rechnungen Compliance-Prüfungen durchgeführt werden können, die in der zukünftigen Gesetzgebung festgelegt werden,
  • die Daten von zertifizierten privaten Plattformen zuverlässig extrahiert und elektronisch gemeldet werden können, die auch die Compliance-Prüfung durchführen werden. (Dienstleister oder interne Lösungen).

Eine zertifizierte private Plattform könnte offenbar entweder ein externer Dienstleister oder eine interne Lösung sein. Wie man diese Zertifizierung erlangt, was genau von wem zertifiziert wird und der Zeitplan für die Lösungen, die bis Ende 2022 zertifiziert werden sollen, sind jedoch noch nicht festgelegt.

Wann muss meine Organisation auf diese Veränderungen vorbereitet sein?

Bei der Einführung der Chrorus Pro Plattform für die verpflichtende elektronische Business-to-Government-Rechnung (B2G E-Invoicing) wurde die Rechnungsstellung für Lieferanten, abhängig von der Unternehmensgröße, in mehreren jährlichen Wellen von großen bis zu kleinen Unternehmen verpflichtend. Diese schrittweise Einführung hat sich bewährt und wird nun auch für das neue Mandat ab 2023 angewendet:

  • Januar 2023: Alle großen Unternehmen müssen elektronische Rechnungen und elektronische Berichte versenden.
  • Januar 2024: Alle mittelständischen Unternehmen müssen elektronische Rechnungen und elektronische Berichte versenden.
  • Januar 2025: Alle KMUs (alle übrigen Unternehmen) müssen elektronische Rechnungen und elektronische Berichte versenden.
Roll-Out Plan fürs B2B E-Invoice Clearance Mandat
Abbildung 2: Roll-Out Plan fürs B2B E-Invoice Clearance Mandat. *Definition ist bis Dato nicht bekannt

Die Definitionen für große, mittlere und alle übrigen KMU-Unternehmen sind noch nicht klar. Klar ist auf der anderen Seite, dass einfache PDF-Rechnungen ohne strukturierte Rechnungsdaten nicht mehr zulässig sein werden.

Stichtag für den Empfang elektronischer Rechnungen ist der 1. Januar 2023

Wichtig zu beachten ist die Verpflichtung zur Annahme elektronischer Rechnungen bis zum 1. Januar 2023unabhängig von der Größe des Unternehmens. Unbestimmt bleibt, welches genaue Format oder – nach unserem Verständnis wahrscheinlicher – welche Formate Unternehmen akzeptieren müssen.

Wird das Rechnungsformat oder werden die Formate z. B. eine grafische Rechnungsdarstellung beinhalten? Oder werden die Empfänger auf eigene Kosten menschenlesbare Rechnungskopien erstellen müssen? Für die meisten mittleren und kleineren Unternehmen spielen solche Fragen sicherlich eine große Rolle, insbesondere, wenn es um die Implementierung und die Kosten von E-Invoicing geht. Das ist einer der Gründe, warum die Empfänger höchstwahrscheinlich ein hybrides Rechnungsformat wie Factur-X (auch bekannt als ZUGFeRD in Deutschland) akzeptieren müssen. Ein weiterer Standard ist die Syntax UBL 2.1, die für B2G e-invoicing mit der aktuellen Chorus Pro Plattform in Frankreich verwendet wird. Wir gehen davon aus, dass UBL 2.1 mit dem europäischen Rechnungsstandard EN 16931 und der Core Invoice Usage Specification (CIUS) Peppol BIS Billing 3.0 ebenfalls gute Chancen haben werden, in diesem CTC-Mandat mitzuspielen.

Wie kann SEEBURGER Sie dabei unterstützen, das neue französische Mandat zu erfüllen?

Wir sind ein erfahrener Anbieter von E-Invoicing-Cloud-Services und bieten Ihnen eine Lösung aus einer Hand, die es Ihnen ermöglicht, die globale und spezifische lokale Gesetzgebung zu erfüllen, sowohl innerhalb Europas als auch darüber hinaus. Mit starker lokaler Unterstützung durch unser SEEBURGER-Büro in Paris bedienen wir unsere multinationalen Kunden und unsere nationalen französischen Kunden mit verschiedenen GS1-zertifizierten französischen E-Invoicing-Services wie DEMAT „EDI complet – B2B“, Factur-X B2B und B2G E-Invoicing-Services über die Chorus Pro-Plattform. SEEBURGER Global E-Invoicing Services lassen sich mit dem eDocument Cockpit von SAP auf SAP ECC oder auf S/4HANA oder mit jedem anderen ERP-System integrieren.

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Gerrit Onken

Ein Beitrag von:

Gerrit Onken ist seit 2010 bei der SEEBURGER AG als Produktmanager für Softwareanwendungen und für den Bereich Elektronischer Datenaustausch (EDI) tätig. Seine Schwerpunkte sind Lösungen für SAP, elektronische Rechnungsstellung (E-Invoicing) und die Digitalisierung von geschäftlichen und technischen Prozessen für global agierende Kunden. Ursprünglich gelernter Bankkaufmann, absolvierte Gerrit Onken ein Studium der Betriebswirtschaftslehre mit den Schwerpunkten Industriemanagement und Wirtschaftsinformatik. Nach seiner Tätigkeit in der Finanzbranche arbeitete er von 2004 bis 2010 als Manager und Projektleiter bei einer der fünf größten Unternehmensberatungen mit internationalen BPOs in der Banken- und Automobilbranche.