SRTP: Was ist SEPA Request-to-Pay?
Financial Services Trends & Innovationen

SEPA Request-to-Pay: Die Schließung des Kreislaufs von Rechnung und Zahlung?

| | Director ibi research, Universität Regensburg GmbH
Schließt SEPA Request-to-Pay (SRTP) den Kreislauf von Rechnung und Zahlung?

Der SEPA Request-to-Pay (SRTP) ist ein Versuch der teilnehmenden Banken, einen digitalen Ringschluss von Rechnungsstellung und Zahlung zu verwirklichen. Der SRTP ermöglicht den Versand einer elektronischen Zahlungsaufforderung durch einen Gläubiger (Zahlungsempfänger) mit allen für die Zahlung benötigten Informationen (z. B. IBAN des Zahlungsempfängers, Betrag und die elektronische Rechnung selbst) in einem standardisierten Format. Dieser Ansatz kann bei durchgängigen elektronischen Abläufen zu signifikanten Effizienzgewinnen führen. Im Anschluss kann die Zahlung z. B. per SEPA-Überweisung oder SEPA-Echtzeitüberweisung getätigt werden. Der SRTP ist dabei nicht als neues isoliertes Zahlungsmittel bzw. Zahlungsinstrument zu verstehen, sondern ist durch den European Payments Council (EPC) als reine Nachrichtenfunktion definiert, ergänzend zu bestehenden Zahlungsverfahren, über die letztendlich die eigentliche Zahlung abgewickelt wird. Das Ziel der Banken ist dabei, das Bankkonto zum Dreh- und Angelpunkt der Verbraucher zu machen, es gibt aber auch etliche Anwendungsszenarien im B2B-Umfeld.

Erste Überlegungen für den SRTP gab es bereits im April 2019. Im November 2020 wurde schließlich das Regelwerk für den SRTP-Standard in der Version 1.0 veröffentlicht. Dieses Regelwerk ist am 15. Juni 2021 in Kraft getreten – zunächst allerdings nur verbindlich für die Banken, die es (freiwillig) nutzen und ihren Kunden anbieten wollen. Die aktualisierte Version des Regelwerks ist im November 2021 erschienen, tritt im Juni 2022 in Kraft und erweitert das bisher bestehende Regelwerk unter anderem um die mögliche Anforderung einer Zahlungsgarantie durch die Zahlungsempfänger.

Zu beachten ist hierbei, dass es sich beim SRTP um einen europäischen Ansatz handelt, der insbesondere aus deutscher Sicht mit der Lastschrift in Konkurrenz steht. Betrachtet man die Zahlungsverkehrsstatistik der Europäischen Zentralbank, so wird zum einen klar, dass Deutschland 68 Prozent mehr Lastschriften abwickelt als Überweisungen und von allen europäischen Lastschriften einen 52 Prozent Anteil innehat – vor allem bei Dauerschuldverhältnissen. Betrachtet man jetzt noch die nächsten vier großen Lastschrifteinreicheländer (Frankreich, Spanien, Niederlande und Italien), so machen diese Länder mit Deutschland bereits mehr als 93 Prozent aller Lastschriften im Euro-Raum aus. Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass es in den anderen verbleibenden Ländern keine(n) kreditorinduzierte(n) Zahlungseinzug/-aufforderung gibt – eine ganz andere Ausgangssituation für einen SRTP.

Die große Herausforderung besteht einerseits in der operativen Umsetzung und dem damit verbundenen Angebot durch die Banken (obwohl das erste Regelwerk seit Juni 2021 in Kraft getreten ist, gibt es noch keine konkreten Angebote) und andererseits in der flächendeckenden Nutzung durch Unternehmen und Kunden. Probleme könnte es unter anderem beim Einsatz von SRTP am stationären Point of Sale (PoS) geben, da es noch keine standardisierte Kopplung zwischen Verbrauchern und Händlern gibt. Die Zahlungsempfänger (= Händler) müssen sofort wissen, ob eine Zahlung eingegangen ist. Dafür wäre eine sofortige Statusbenachrichtigung essentiell, die bisher noch individuell von den einzelnen Banken bereitgestellt werden müsste.

Ablauf beim SEPA Request-To-Pay
Abbildung 1: Ablauf beim SEPA Request-To-Pay

Der SRTP soll – wie von der Europäischen Zentralbank gefordert – auch bestehende Kartenzahlungssysteme ersetzen, indem z. B. am POS die Kasse die nötigen Zahlungsdaten auf das Mobiltelefon in die Banking-App des Kunden übertragen werden (BLE, QR-Code etc.). Dies resultiert in Folge in einer vorausgefüllten Echtzeitüberweisung, die der Kunde noch freigibt. Danach meldet die Kasse in wenigen Augenblicken den Geldeingang der Überweisung und der Kauf bzw. die Rechnungsstellung ist abgeschlossen.

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Holger Seidenschwarz | Research Director bei der ibi research an der Universität Regensburg GmbH

Ein Beitrag von:

Holger Seidenschwarz ist Research Director bei der ibi research an der Universität Regensburg GmbH. Das Institut forscht rund um die Digitalisierung der Finanzdienstleistungen und des Handels. Es berät Kunden aus der Privatwirtschaft und dem öffentlichen Sektor. Die Forschungs- und Beratungsschwerpunkte von Holger Seidenschwarz liegen in den Bereichen E-Commerce und Digitaler Handel, E Payment und E-Finance sowie der elektronischen Rechnungsabwicklung. Zu diesen Themenschwerpunkten tritt er regelmäßig als Referent auf Veranstaltungen auf und veröffentlicht Fachartikel und Studien.