? Jedes Unternehmen braucht einen Citizen Integrator
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iPaaS: 2 Gründe, warum jedes Unternehmen einen Citizen Integrator braucht

| | Chief Cloud Officer, SEEBURGER AG
iPaaS: 2 Gründe, warum jedes Unternehmen einen Citizen Integrator braucht

Citizen Integrators werden oft überbewertet. Dafür haben wir Ihnen bereits 7 gute Gründe geliefert. Doch, auch wenn die Rolle des Citizen Integrators erhebliche Schwächen aufweist, heißt das noch lange nicht, dass sie überflüssig ist. Es gibt aus unserer Sicht auch 2 gute Gründe, warum jedes Unternehmen einen Citizen Integrator braucht. Erfahren Sie hier, wo Citizen Integrators ihre Stärken vorteilhaft einsetzen können.

Der Citizen Integrator im Lichte der Technologiegeschichte

Die Tragweite der in unserem Beitrag iPaaS: 7 Gründe, warum Citizen Integrators überbewertet werden diskutierten Punkte beschränkt sich nicht auf die aktuelle Diskussion um den Citizen Integrator und den iPaaS-Markt von gestern, heute und morgen. Ein Blick auf die Geschichte der Technologie macht klar: Ein erleichterter Zugang zu neuen Technologien, Verfahren und Services hat selten die in sie gesetzten Erwartungen automatisch erfüllt. Besonders dann, wenn die zu lösenden Aufgaben spezifische Kenntnisse voraussetzten.

Beispielsweise stand vor einigen Jahren das Thema Big Data im Fokus der Berichterstattung vieler Unternehmen und Fachmedien. Es wurden verstärkt neue Verfahren und Softwaretools angepriesen, mit deren Hilfe durchschnittliche Mitarbeiter wertvolle Einsichten aus der Masse der Unternehmensdaten generieren könnten. Diese Einsichten, so das Nutzenversprechen, würden zu Innovationen, Wettbewerbsvorteilen und erheblichen Kosteneinsparungen führen. In der Folge sind viele neue Dienstleister entstanden, bzw. etablierte Unternehmen nahmen entsprechende Dienstleistungen in ihre Lösungsportfolios auf.

Mittlerweile ist die Berichterstattung um das Thema abgeflaut und Big Data-Erkenntnisse haben die Mehrheit der Unternehmen bis heute nicht grundlegend verändert. Stattdessen gibt es eine wachsende Anzahl von veröffentlichten Berichten über suboptimale oder gescheiterte Datenprojekte. Dadurch soll keineswegs suggeriert werden, dass die Datenwissenschaft oder Big Data nutzlos oder irrelevant sei. Eine Anzahl von Unternehmen hat davon bereits profitiert. Es scheint sich jedoch die Einsicht durchzusetzen, dass es weitaus mehr bedarf, als den Mitarbeitern den Zugang zu Daten und bestimmten Softwaretools zu gewähren. Es sind Spezialkräfte erforderlich, die sowohl Kenntnisse der Datenwissenschaft als auch bereichsspezifische Spezialkenntnisse aufweisen. Im Idealfall – aber nicht zwingend – sind sie auch mit den entsprechenden Softwaretools vertraut.

Aus Marketingsicht lässt dich der Hype um ein Marktangebot oft damit begründen, dass Produkte oder Dienstleistungen bei den Zielgruppen so bestmöglich bekannt werden. Viele Unternehmen und andere Berichterstatter scheinen jedoch die Gefahr, durch einen Hype überzogene Erwartungen zu wecken, falsch einzuschätzen. Dies kann dazu führen, dass nach einer Enttäuschung ein Teil der potenziellen Kundschaft später umso schwieriger zu gewinnen sein wird. Eine frühzeitige Differenzierung wäre deswegen angebracht.

Handlungsempfehlungen für Unternehmen

Eine wichtige Einsicht aus der vorangegangenen Diskussion ist: Unternehmen, die sich iPaaS zu Nutze machen möchten, sollten die hauseigenen Ressourcen realistisch einschätzen. Das kann unter Umständen bedeuten, von vornherein auf die Unterstützung durch einen iPaaS-Anbieter zurückzugreifen. Dies kann unnötigen Aufwand, Kosten und Frustration ersparen.

Es kann sinnvoll sein, einen iPaaS-Anbieter zu wählen, der umfangreiche Managed Services im Bereich iPaaS bereitstellt. In diesem Fall übernimmt der iPaaS-Anbieter die meisten Aufgaben im Zusammenhang mit der Entwicklung, dem Testen und dem Deployment von Integrationslösungen sowie deren Support. Das iPaaS-Spektrum reicht bis hin zu Full Service Angeboten, in welchen sämtliche Aufgaben delegiert werden.

In den meisten Fällen ist lediglich eine Verbindungsperson aus dem Unternehmen des Kunden erforderlich, die dann als Ansprechpartner des iPaaS-Anbieters für Protokolle, Formate und andere Spezifikationen dient. Alternativ kann ein geeigneter iPaaS-Anbieter auch die professionelle Betreuung für Fachanwender, die im Unternehmen an Integrationslösungen arbeiten, sicherstellen, zum Beispiel durch die Bereitstellung eines dedizierten Service-Managers.

Zwei Wege, vom Citizen Integrator zu profitieren

Auch wenn die Rolle des Citizen Integrators erhebliche Schwächen aufweist, heißt das noch lange nicht, dass sie überflüssig ist. Im Folgenden werden zwei grundsätzliche Szenarien vorgestellt, in denen Citizen Integrators ihre Stärken vorteilhaft einsetzen können:

  1. Die Citizen Integrators übernehmen im Unternehmen einfache Integrationsaufgaben.
  2. Bei komplexeren Integrationsvorhaben werden die Citizen Integrators von entsprechenden Spezialisten betreut.

Bei einfachen Integrationsaufgaben könnte es sich um Integrationslösungen handeln, die keine oder nur eine geringe Auseinandersetzung mit Fragen zur Integrationsarchitektur, Datensicherheit und zum Datenschutz erfordern. Oder es könnten Integrationslösungen sein, die in einer Sandbox-Umgebung (z.B. separater Mandant) entwickelt und getestet werden. Möglicherweise könnte die hauseigene IT, eventuell auch in Zusammenarbeit mit einem externen iPaaS-Partner, einen unternehmensindividuellen Rahmen für solche Aufgaben schaffen.

Bei schwierigeren Aufgaben könnten die hauseigene IT, ein externer iPaaS-Partner oder beide Parteien mit den Citizen Intergrators im Unternehmen intensiv zusammenarbeiten und ihnen bei spezifischen Fragen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Des Weiteren wäre es sinnvoll die Citizen Integrators in die Diskussion über die Unternehmensstrategie und langfristige Unternehmensziele einzubeziehen.

Eine bewusste strategische Entwicklung und Förderung der Citizen Integrators im Unternehmen kann weitere Vorteile bringen. Werden Mitarbeiter in die Integrationsvorhaben aktiv involviert, verleiht dies ihnen oft ein Gefühl von Empowerment. Dadurch erhöhen sich sowohl ihr Verantwortungsbewusstsein als auch ihre Motivation und letztendlich ihre Arbeitsleistung. Fernerhin stellt eine professionelle Betreuung der Citizen Integrators sicher, dass Integrationsvorhaben unter strategisch sinnvollen Gesichtspunkten ausgewählt und konsequent zu Ende geführt werden. Das Unternehmen und seine IT können dadurch langfristig wettbewerbsfähig aufgestellt werden.

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Dr. Martin Kuntz

Ein Beitrag von:

Dr. Martin Kuntz arbeitet seit 2000 für die SEEBURGER AG, seit 2015 ist er Mitglied des Vorstands. Seine Schwerpunkte liegen in den Bereichen Cloud, Business Applikationen und der Digitalisierung fachlicher und technischer Geschäftsprozesse. Er verfügt über Abschlüsse in Physik und BWL. Zuvor arbeitete er mehrere Jahre im Bereich Simulation für das „Karlsruher Institut für Technologie“ und für Airbus-Tochter „Airbus Defence and Space“.