Energiewende: Neue digitale Geschäftsmodelle
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Digitalisierung in der Energiewirtschaft Teil 2/3: Neue Geschäftsmodelle

| | Senior Consultant - Business Unit Utilities, econtea GmbH
Digitalisierung der Energiewirtschaft

Die Digitalisierung in der Energiewirtschaft bringt eine Vielzahl neuer Geschäftsmodelle hervor. Diese bieten Unternehmen unter anderem große Chancen für Kosteneinsparungen durch intelligenten Stromverbrauch sowie die Möglichkeit, selbst zum Stromlieferanten zu werden. Unser Gastautor Tobias Hevekerl, Senior Consultant der econtea GmbH, Berlin, betrachtet in einer dreiteiligen Blogserie die Möglichkeiten, die die Digitalisierung der Energiewirtschaft bietet.

Beginnend mit einem Rückblick auf die Historie der Energiewirtschaft, wirft er in diesem zweiten Teil  einen Blick auf neue Geschäftsmodelle und behandelt im dritten Teil die Chancen und Risiken der digitalen Transformation in der Energiewirtschaft sowie die Fragestellung nach den Ansätzen und Treibern der Digitalisierung

Die Digitalisierung in der Energiewirtschaft bietet Chancen für neue Geschäftsmodelle

Bereits die Entwicklung im Zuge der Digitalisierung der Energiewende zeigt auf, dass entlang der gesamten Wertschöpfungskette, von der Erzeugung und Speicherung, Übertragung und Verteilung, dem Messwesen und dem Energiehandel bis hin zum Marketing und Vertrieb sowie Dienstleistungen und weiteren Geschäftsfeldern, neu gedacht werden muss.

An die Digitalisierung entlang der Wertschöpfungskette ist eine lange Liste an neuen Themen und Geschäftsmodellen geknüpft, die immer wieder in diesem Zusammenhang auftauchen. Diese umfasst unter anderem:[1] [2]

  • Datensicherheit/Cyber Security
  • Virtuelles Kraftwerk
  • Digitalisierung in der Kraftwerkssteuerung
  • Predictive Maintenance
  • Digitalisierte Netzplanung
  • Optimierung der Netzsteuerung
  • Mobile Anwendungen für den Außendienst
  • Smart Grid / Smart Meter
  • Zusammenführung und Ausweitung aller Verbrauchs- und Kundendaten
  • Präzisere Prognosen im Energiehandel
  • Datenanalyse
  • Intelligente Auswertung von Kunden- und Verbrauchsdaten
  • Smart Home
  • E-Mobility
  • Social Media
  • Vernetzung der Kontaktkanäle zum Kunden
  • Digitalisierte Produkte
  • Prozessdigitalisierung und vieles mehr.

Um die Chancen zu erkennen, die in der Digitalisierung der Energiewirtschaft liegen, betrachten wir einige dieser neuen Geschäftsmodelle doch etwas genauer. Die wohl prominentesten und weitreichend bekannten Modelle verbergen sich hinter den Begriffen „Smart Home“ oder „Smart Living“ und „E-Mobility“.

Smart Home

Energiewende und Digitalisierung bieten nicht nur den Energieversorgern Vorteile, sondern sorgen durch intelligentes oder vernetztes Wohnen auch für Annehmlichkeiten für den Endverbraucher. In Häusern oder Wohnungen, die mit Smart-Home-Technologie ausgestattet sind, ist es beispielweise möglich festzustellen, ob sich Bewohner darin aufhalten. Ist dies der Fall, erhöht sich in kalten Wintertagen automatisch die Raumtemperatur. Haben alle Personen Haus oder Wohnung verlassen, wird die Temperatur zur Kosteneinsparung ein wenig reduziert. Diese Steuerung lässt sich ebenso per Handy von außerhalb vornehmen. Vergleichbares ist für die Bedienung von Lampen oder die Betätigung elektrischer Geräte möglich. Die Verbindung der Technologien für intelligentes Wohnen mit intelligenten Messsystemen (Smart Metern) könnte dazu führen, dass verbrauchsintensive Geräte wie Wasch- oder Spülmaschinen erst dann zum Einsatz kommen, wenn der aktuelle Strompreis besonders niedrig liegt. Kennt der hausinterne, intelligente Stromzähler die aktuellen Strompreise, könnte er der Waschmaschine, mit der er verbunden ist und die zum Waschen bereitsteht, in einer Phase eines niedrigen Strompreises das Signal zum Start geben.[3]

Davon können Endverbraucher profitieren. Die Energieversorger stehen vor der Herausforderung, entsprechend flexible Tarife auszugestalten und die dafür notwendige Kommunikation via elektronischen Formaten und Webservice sicherzustellen, wobei Sie econtea und SEEBURGER unterstützen können.

E-Mobility

Auch im Verkehr und Transportwesen wird weitergedacht. Hier erfolgt ein Schwenk von fossilen Brennstoffen zu regenerativen und nachhaltig produzierten Energielieferanten. Elektroautos leisten einen wesentlichen Beitrag zur Energiewende und durch die Digitalisierung eröffnen sich Möglichkeiten, diese in das Stromnetz zu integrieren, um Schwankungen auszugleichen. Es können beispielsweise Ladevorgänge für Elektrofahrzeuge optimiert oder auch Systemdienstleistungen erbracht werden. Wenn mehr Strom im Netz benötigt wird, könnte die Ladeleistung für öffentliche Ladestationen kurzfristig und kurzzeitig heruntergeregelt werden. Der E-Auto-Fahrer unterstützt damit aktiv die Integration von fluktuierenden erneuerbaren Energien. Dafür müssen andererseits Anreize geschaffen werden. Durch Optimierung von Ladeplänen kann der E-Auto-Fahrer von niedrigen Preisen in der Nacht oder zu Zeiten profitieren, in denen die Einspeisung erneuerbarer Energien hoch und Preise demzufolge niedrig sind.[4]

Lösungsansätze

Um die Herausforderungen der zuvor genannten Beispiele, von neuen Geschäftsmodellen überhaupt zu bewerkstelligen, ist eine große Menge von Informationen notwendig, um beispielsweise Daten analysieren und präzise prognostizieren zu können. In den meisten Modellen sind Informationen aus einer Vielzahl unterschiedlicher Datenquellen notwendig, um überhaupt eine fundierte Analyse und Prognose vornehmen zu können. Die Vernetzung von Diensten und deren Datenquellen, mit der Notwendigkeit, die Informationen zusammenzuführen und auswertbar zu machen, ist ein wichtiger Aspekt für die Digitalisierung in der Energiewirtschaft. Digitale Schnittstellen zu Marktpartnern und Kunden verbunden mit Clouddiensten, IT-Sicherheit und Big Data Analytics sind Instrumente die weitere spannende Geschäftsmodelle hervorbringen werden.

Fazit

Die Digitalisierung in der Energiewirtschaft bietet eine Vielzahl an Möglichkeiten für neue, effiziente und intelligente Geschäftsmodelle. Die econtea GmbH und SEEBURGER stehen Ihnen mit Beratung und jahrzehntelanger Erfahrung in der Business Integration gerne als kompetente Ansprechpartner zur Seite, wenn Sie das Potenzial der Chancen, die sich aus der Energiewende ergeben, maximal nutzen möchten.

Im dritten Teil seiner Blogserie geht Tobias Hevekerl im Detail auf die Chancen und Risiken der digitalen Transformation der Energiewirtschaft ein. Er widmet sich beispielsweise der Frage nach der richtigen Balance zwischen der Vielzahl an digitalen Möglichkeiten und der daraus entstehenden Überforderung der Nutzer und geht auf die Innovationstreiber in der Energiewirtschaft ein.


[1] Vgl. Deutschlands Energieversorger werden digital. Wie steht es um die Digitalisierung der deutschen Energieversorger? (abgerufen am 13.09.2021).

[2] Vgl. BDEW Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft: Die digitale Energiewirtschaft. (abgerufen am 13.09.2021).

[3] Vgl. Megatrend „Digitale Energiewende“: Chancen und Grenzen. (abgerufen am 13.09.2021).

[4] Vgl. Tilman Huhne, Julian Schultheiß, Magnus Wobben, Patrick Wörner und Oliver Wohak: Optimale Erbringung von Systemdienstleistungen mittels Vehicle-to-Grid. In: Energiewirtschaftliche Tagesfragen 70. Jg. (2020) Heft 10. S. 59-62. (abgerufen am 13.09.2021).

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Tobias Hevekerl | econtea GmbH

Ein Beitrag von:

Tobias Hevekerl ist seit April 2016 bei der econtea GmbH tätig und unterstützt als Senior Consultant unsere Utilities Kunden in diversen Bereichen und Schnittstellenfunktionen in den Themenfeldern Projekt Management, Lastenhefterstellung, Prozessoptimierung, Proof of Concepts, Produkt- und Testmanagement. Dem SEEBURGER Produktmanagement gibt er fachlichen und technischen Input für unsere Trade Reporting Solution und das RRM+. Nach seiner Ausbildung als Industriekaufmann bei einem Energieversorger und anschließendem Studium der Wirtschaftsinformatik war Tobias Hevekerl ab 2007 für zwei Beratungshäuser tätig. Sein Fokus galt auch hier dem Bereich Utilities. Zum Ausgleich geht er gerne in die Natur zum Wandern, Joggen oder Fahrradfahren. Er liebt das Abenteuer und nimmt gerne jede Action mit. Seine sportliche Vielseitigkeit nutzt er beim Mountainbiken, Ski- oder Snowboard fahren (auch wenn er aus dem Norden Deutschlands kommt), Fußball spielen oder auch gerne im Klettersteig, beim Ziplining, Wallrunning oder im Hochseilgarten.