ūüďĆ Digitale Wertsch√∂pfungsketten ver√§ndern die B2B-Integration - von EDI zu IDS
B2B - Business Integration IoT & Industry 4.0

Digitale Wertschöpfungsketten verändern die B2B-Integration Рvon EDI zu IDS?

| | VP Services & Marketing Discrete Industries, SEEBURGER AG
Digitale Wertschöpfungsketten verändern die B2B-Integration - von EDI zu IDS?

Der digitale Wandel verändert die Wertschöpfung. Daten werden vermehrt zur neuen Ware. Mit zunehmendem Aufbau und Verbreitung datengetriebener Geschäftsmodelle bilden sich durchgehend digitale Wertschöpfungsketten. Teilweise sind es sogar ganze Wertschöpfungsnetze, die neue Formen der B2B-Integration erfordern. Entwickelt sich die digitale Wertschöpfung weg vom klassischen EDI (Electronic Data Interchange) hin zu IDS (International Data Spaces)?

B2B-Integration in klassischen Wertschöpfungsketten

Die B2B (Business-to-Business) Integration durch EDI (Electronic Data Interchange) verfolgt seit jeher das Ziel, die Produktivität von Wertschöpfungsketten zu erhöhen.  Aus der Automobilindustrie heraus haben sich Lieferabrufe und Just-in-Time / Just-in-Sequence (JIT/JIS) Prozesse in vielen weiteren Branchen etabliert.

Auch Ans√§tze des Efficient Consumer Response (ECR) brachten etwa im Bereich der Konsumg√ľterindustrie (CPG) gro√üe Rationalisierungseffekte mit sich. Das automatische Nachbestellen nach tats√§chlichen Verk√§ufen, das sogenannte Continuous Replenishment, oder Formen des Cross-Docking w√§ren ohne den Einsatz von EDI nicht m√∂glich. Doch all dies war und ist auf die Optimierung der Wertsch√∂pfungskette physischer Produkten ausgerichtet.

Es besteht nach wie vor reichlich Potential, den EDI-Einsatz in Lieferketten auszubauen, wie etwa in der Umsetzung von ECR (Efficient Consumer-Response) im Rahmen von Kundendienstleistungen oder bei der Verfolgung von Auftr√§gen √ľber End-to-End Liefer- und Produktionsketten hinweg. Andere Bereiche, wie die elektronische Rechnung (E-Invoicing), kommen erst jetzt, nach vielen Anl√§ufen, in die breite und fl√§chendeckende Umsetzung.

Digitalisierung und B2B-Integration: die neue digitale Wertschöpfungskette

Die zunehmende Digitalisierung aller Lebens- und Arbeitsbereiche hat hier viel Dynamik entfacht. Dabei geht es weniger um die technische Frage, ob Prozesse nun effizienter als XML, √ľber API oder mit Hilfe von Blockchains oder mit klassischem EDI umgesetzt werden. Entscheidender ist aus Unternehmenssicht, wie die Digitalisierung und Vernetzung von Dingen (Internet of Things- IoT) das Kauf- und Nutzungsverhalten und damit die Organisation und Durchf√ľhrung von Arbeitsprozessen ver√§ndert.

Dabei spielen Daten und datengetriebene Smart Services die entscheidende Rolle. Sie m√ľssen zwischen Dingen, Menschen und Unternehmen flie√üen k√∂nnen, gleichzeitig aber mit unserem Werteverst√§ndnis in Bezug auf Selbstbestimmtheit, fairen Wettbewerb und sozialen Ausgleich vereinbar sein.

Neue digitale Wertsch√∂pfungsketten oder sogar Wertsch√∂pfungsnetze sind ohne effiziente und effektive B2B-Integration √ľberhaupt nicht umsetzbar.

Grundpfeiler der digitalen Wertschöpfungskette

IoT und Industrie 4.0 sind viel zitierte Schlagworte und halten verst√§rkt Einzug in die reale Unternehmenswelt. Gerade in der Automobilbranche entstehen, angefangen bei den OEMs, neue Plattformen f√ľr die Vernetzung von digitalen Zwillingen, aller eigenen Ressourcen und derer, die entlang der Produktions- und Lieferketten eingesetzt werden. Digitale Zwillinge sind damit Teil der Dateninfrastruktur f√ľr neue Smart Services. Durch diese digitalen Zwillinge werden Echtzeit-Analysen aber auch direkte Eingriffe und Optimierungen durch KI-Einsatz (K√ľnstliche Intelligenz) m√∂glich. Jeder Zulieferer des OEM kann Teil dieser Smart Services sein oder auch eigene digitale Leistungen aufbauen.

Eine Herausforderung f√ľr den Zulieferer ist dabei die Abgrenzung der Datenstr√∂me von und hin zu den unterschiedlichen Kunden und Lieferanten. Im Rahmen von Multi-Cloud-Strategien tritt die Abgrenzungsproblematik noch deutlicher auf, wenn Smart Services genutzt oder angeboten werden sollen.

Die digitale Wertschöpfungskette

Abbildung 1: Die digitale Wertschöpfungskette (Teile in Anlehnung an https://www.eclass.eu/fileadmin/pdfs/2_11-30_Otto.pdf Folie 14)

Die meisten dieser Ans√§tze ben√∂tigen oder verfolgen den Aufbau gro√üer Plattformen, die auf Basis von Infrastruktur und Services der Hyperscaler wie AWS, Microsoft, Google oder Alibaba betrieben werden. Unweigerlich entstehen daraus Konzentrationspunkte wie wir sie im Bereich des E-Commerce etwa von Amazon oder √ľber Smart Phones (iOS, Android) kennen, die aber nicht als ein geeignetes Modell f√ľr die B2B-Integration angesehen werden. Mit der GAIA-X Initiative wird nun ein europ√§ischer Weg erprobt, inwieweit dies auch ohne diese Konzentration, in f√∂deraler Form erbracht werden k√∂nnte. Die Hoffnung ist, hierdurch einen neuen Grundpfeiler in der digitalen Wertsch√∂pfungskette zu bilden. Neben geeigneten Formen der IT-Infrastruktur (Edge-Cloud Infrastruktur) zur dezentralen und verteilten Datenverarbeitung, stehen offene f√∂derale Datenstrukturen (Transparenz in der Bereitstellung und Nutzung von Services) im Mittelpunkt des Ansatzes. Dieser sieht den Aufbau von Datenr√§umen und deren Nutzung f√ľr den Datenaustausch nach dem Prinzip der International Data Spaces (IDS) vor.

Mit gro√üem politischen Interesse aber auch mit sehr breiter Zustimmung seitens der Industrie arbeiten viele Projekte wie etwa das Catena-X Network oder das FENIX Network daran, die wesentlichen Mechanismen und Instrumente zu entwickeln, die den B2B-Prozess f√ľr Smart Services ma√ügeblich formen sollen.

Erweiterung der B2B-Integration f√ľr eine digitale Wertsch√∂pfungskette

Interoperabilität und Konsistenz der Daten- und Prozessintegration muss nun bis hin zum Deployment und der Orchestrierung einzelner, auf Edge-Devices laufender Apps und Microservices sichergestellt werden.

Dies beginnt beim Bezug einzelner Services (APIs oder Apps) mit Hilfe offen nutzbarer Datenr√§ume (International Data Spaces (IDS)) und der Integration mit der internen Unternehmens-IT. Es geht weiter mit der externen Integration und endet mit der Breitstellung eigener Services mit bzw. f√ľr Gesch√§ftspartner.

F√ľr all dies wird die Bedeutung einer hybriden Integrationsplattform, insbesondere f√ľr eine applikationsneutrale Business Integration enorm zunehmen. Einzelne Businessobjekte (vom Enterprise zum Sensor) k√∂nnen so √ľber alle Ebenen der IT/OT-Infrastruktur (Cloud/Fog/Edge Computing) vernetzt werden.

Dabei ist f√ľr Unternehmen eine ganzheitliche B2B-Integration f√ľr die Sicherstellung und Transformation der internen zur externe Kommunikation entscheidend, also das harmonische Zusammenspiel von EDI bis zu IDS, um ein aktiver Player in der digitalen Wertsch√∂pfungskette zu bleiben.

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Frank Stegmueller

Ein Beitrag von:

Frank Stegmueller ist VP f√ľr Services und Marketing und ist seit 2008 bei SEEBURGER. In dieser Zeit hat er viele Umstellungskampagnen unterst√ľtzt und gesteuert. Er verf√ľgt √ľber mehr als 22 Jahre Erfahrung in Service, Support und Marketing rund um Enterprise Application Integration, EDI, B2B, MFT, API, ITSM und digitale Transformation - sowohl auf eigenbetriebenen Systemen als auch aus der Cloud. Frank Stegmueller arbeitet in dem Rahmen auch an Vertr√§gen zur Auftragsverarbeitung.